Die Wirtschaftwunderzeit wünscht ein Guten Neues Jahr 2016

All meinen lieben Lesern und eifrigen Kommentatoren wünschen ich und die Wirtschaftswunderzeit ein Gutes Neues Jahr 2016 und natürlich viel Erfolg, Gesundheit und Glück, bei allem was ihr in diesem Jahr anpackt!

Das vergangene Jahr ist vorbei und wir wollen uns nicht lange mit irgend welchen Rückblicken aufhalten. 2016 wird spannend genug werden. In jeder Hinsicht!

Für alle, die es gern wissen möchten, will ich hier noch ein paar Bilder einstellen, mit denen ich die Weihnachtsgeschenke vorstellen möchte, die ich mir selbst zum Fest gemacht habe. Natürlich haben sie etwas mit der Wirtschaftswunderzeit zu tun. Schließlich gönnt man sich ja sonst nichts.

Weihnachten 2015/1 - Schallplatten aus den 50er/60er Jahren; Fotos: A. Ohlmeyer

Weihnachten 2015/1 – Schallplatten aus den 50er/60er Jahren u.a. mit den Fleetwoods, Chubby Checker, Gene Chandler, Terry Stafford, The Duprees und The Drifters Fotos: A. Ohlmeyer

Diese feinen 7″-Singles habe ich online erworben und muss neidlos die, trotz des Alters von fast 55 Jahren, teilweise noch mehr, zum Teil bestechende Qualität anerkennen. Wenn man davon ausgeht, dass die einstigen Besitzer die Stücke regelmäßig abgenudelt haben, kann man davon ausgehen, dass sie ihre Schätze einst gehütet haben, wie einen Augapfel. So kann ich mich heute daran ergötzen und den lebendigen Klang von Vinyl genießen. Dann fehlt mir eigentlich nur noch eine schöne alten Wurlitzer Musikbox und ich könnte mir das dauernde Wechseln der Platten sparen…

Drei der Platten sind von  nämlich die Stücke und. Die Fleetwoods liebe ich wegen ihres sanften Sounds und der wunderbar melancholischen Stimmung ihrer Stücke, die schon etwas morbides an sich haben. Dann begrüße ich in meiner Sammlung noch , der uns auffordert wie wir das letzten Sommer bereits getan hätten und wer bin ich, dass ich mich dem Wunsch verweigerte? ist mit vertreten und die Ähnlichkeit seiner mit Elvis´ Stimme ist unüberhörbar. Allerdings wurde das Stück, gesungen von Elvis Presley kein großer Erfolg. Ganz im Gegenteil zu der Version von Terry Stafford!

Mr. gibt uns den auf die Ohren und wer im Internet nach diesem Lied sucht, wird bei YouTube fündig, unter anderem mit einem Video, in dem Gene als Duke of Earl himself singt und die entsprechende Kleidung mit schwarzem Anzug, Cape, Stock, weißen Handschuhen und Monokel trägt!

Außerdem habe ich mit mit gegönnt und mit ihrem einmalig schönen Stück !

Weihnachten 2015/2 - Schallplatten aus den 50er/60er Jahren; Fotos: A. Ohlmeyer

Weihnachten 2015/2 – Schallplatten aus den 50er/60er Jahren mit Harry Belafonte; Fotos: A. Ohlmeyer

Die beiden letzten Platten habe ich und das macht sie in meinen Augen ganz besonders wertvoll, von meiner Mutter bekommen. Es sind zwei Platten von Harry Belafonte, unter anderem mit den Stücken Island In The Sun und Coconut Woman und Banana Boat. Das sind bleibende Erinnerungen an meine glückliche Kindheit. Denn die Schallplatten hat meine Mutter gekauft, noch bevor ich geboren wurde, weil sie ein großer Fan von Harry Belafonte war und noch ist! Ich aber habe diese Stücke auf unserem Dual Party 295 gedudelt bis zum Abwinken. Und wenn ich mir die Stücke heute noch anhöre, dann kann ich ebenfalls zufrieden sagen, dass ich mich gut um die Platten gekümmert habe. Denn trotz des geradezu biblischen Alters von mehr als 55 Jahren, klingen sie immer noch wunderbar und mit nur ganz wenig Rauschen!

 

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Doo Wop in höchster Vollendung – The Turbans

The Turbans schufen im Jahre 1955 mit dem Stück „When You Dance“ einen echten Klassiker des Doo-Wop-Genre und schrieben sich damit in die Geschichte des Doo Wop ein. Heute habe ich diese wunderbare 7″-Single Schallplatte bekommen und muss, nachdem ich sie vorsichtig auf den Plattenteller gelegt und gespielt habe, neidlos anerkennen – diese Platte ist genial, der Klang nahezu kristallklar, so gut wie kein Rauschen und Kratzen, also jeden einzelnen Cent wert.

The Turbans "When You Dance" 1955 Single 7" Foto: A. Ohlmeyer

The Turbans „When You Dance“, 1955, Doo Wop, Single 7″ Foto: A. Ohlmeyer

Diesmal habe ich mir diese Musik bei einem großen Online-Händler (record sale) aus Berlin gekauft. Ich zahlte zwar „etwas“ mehr, als auf dem Flohmarkt üblicherweise, aber wie ich mich selbst überzeugen konnte, nein musste, war das kein Fehler.

Natürlich habe ich mich sofort hingesetzt und mir noch ein paar seltene Exemplare ausgewählt und bestellt. Wenn sie eingetroffen sind, werde ich weiter berichten. Aber nun muss ich erst einmal diese Musik genießen und auf die neue Bestellung warten, die hoffentlich bald eintreffen wird. Bis dahin fröhliche Weihnachten und Euch allen ein Gutes Neues Jahr!

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Aus der Traum

Nun ist eine weitere „typisch deutsche“ Tradition gestorben. Es gibt kein Lametta mehr. Jedenfalls nicht aus deutscher Produktion. Das Unternehmen Riffelmacher & Weinberger aus dem bayrischen Franken, lässt die Produktion zum Jahresende 2015 auslaufen.

Weihnachten etwa 1963, man beachte die zeittyoische Anrichte auf der rechten Seite mit dem Röhrenradio, Foto: A.Ohlmeyer

Weihnachten etwa 1963, man beachte die zeittypische Anrichte auf der rechten Seite mit dem Röhrenradio, Foto: A.Ohlmeyer

Zwar ist Lametta aus Stanniol, dass seit gut 90 Jahren die Christbäume in weihnachtlichen, besonders deutschen Wohnstuben schmückte, keine Erfindung der Wirtschaftswunderzeit. Aber viele von uns, die ihre Kindheit und Jugend im Wirtschaftswunderdeutschland erleben durften, werden die silberbehangenen Weihnachtsbäume noch gut in Erinnerung haben und damit viele schöne Erlebnisse verbinden.

Natürlich ist Lametta nicht mehr in Mode und gilt längst als antiquiert. Und wer sich eines traditionellen Weihnachtsbaumes erfreuen wollte, der musst auch ind er Vergangenheit gelegentlich auf Lametta zurück greifen, das im Ausland hergestellt wurde. Aber die Verwendung von Lametta ist wohl auch nach ökologischen Gesichtspunkten nicht das, was man als umweltfreundlich bezeichnen würde. Andererseits kann ich mich gut daran erinnern, wie wir Kinder am 7. Januar, der Tag nach dem Dreikönigstag, den Christbaum abschmückten und den wunderbaren, teils ererbten Christbaumschmuck sorgfältig verpackten, um ihn für´s nächste Jahr sicher zu verwahren. Das Lametta wurde sorgsam abgehängt, gesammelt und Muttern holte ihr Bügeleisen heraus, um es vorsichtig zu bügeln. Das Eisen durfte nicht zu heiss sein, sonst schmolz die dünne Folie sofort.

Weiihnachten etwa 1966 Foto: A.Ohlmeyer

Weiihnachten etwa 1966 Foto: A.Ohlmeyer

Allerdings muss ich gestehen, ich habe das Thema Christbaum und das Schmücken desselben lange Zeit selbst vernachlässigt und meiner Frau überlassen. So wäre mir das Lametta sicher mehr am Herzen gelegen. Wenn ich mich recht erinnere habe ich schon seit wenigstens zehn Jahren kein echtes Lametta mehr an unserem Weihnachtsbaum gesehen. Meine  Frau ist da sehr pragmatisch und (leider) auch recht modebewusst und von Trends getrieben). Ja, ich gestehe zu meiner Schande, dass bei uns seit Jahren schon Lametta aus Kunststoff und allerlei Firlefanz aus Plastik am Baum hängt und jedes Jahr sieht er anders aus.

Auch wenn ich mich damit in die Nesseln setzen sollte. Ich mag die traditionellen Christbäume, mit viel Lametta, Kugeln aus Glas (und es müssen immer dieselben sein, nicht jedes Jahr neue Kugeln aus Plastik). Ich mag Silber am Baum und goldene und silberne Kugeln. Und es muss wenigstens eine Nrodmanntanne sein, oder eine Blautanne wegen des Duftes. Ein paar goldene Girlanden und, ja, es ist kaum  zu glauben, Strohsterne und Gebäck. Und als hätte ich es geahnt, habe ich mit meiner Frau vor Wochen schon darüber gestritten, ob der Baum im nächsten Jahr nicht endlich mal wieder traditionell geschmückt werden könnte, so wie ich es liebe – um der schönen Erinnerungen willen.

Weihnachten etwa 1963, man beachte die zeittyoische Anrichte auf der rechten Seite mit dem Röhrenradio, Foto: A.Ohlmeyer

Weihnachten etwa 1963, man beachte die zeittyoische Anrichte auf der rechten Seite mit dem Röhrenradio, Foto: A.Ohlmeyer

Nun bleibt mir wohl nur noch zu hoffen, dass vielleicht irgend ein kleines Unternehmen sich des Themas annimmt und für traditionell orientierte Kinder des Wirtschaftswunders auch weiterhin Lametta aus Stanniol zu produzieren. Als kleines Unternehmen in einem Nischenmarkt sollte es sicher eine Möglichkeit geben um zu überleben – wenn man die alten Maschinen erwerben könnte und die Produktion weiter führen, vielleicht mit einem Online-Shop um die Vergangenheit irgendwie mit der Moderne zu verbinden und das Überleben zu sichern? Wer weiss, manchmal geschehen ja auch heute noch Zeichen und Wunder…

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Endlich wieder zu Hause

Mehr als vierzig Jahre, nachdem ich meinen Kiez, in dem ich Kind war und aufgewachsen bin, verlassen musste, bin ich an den Ort meiner Kinderzeit zurück gekehrt! Ich bin wieder da. Ich wohne nun zwar in einer anderen Straße, aber in eben demselben Stadtteil, der meine Kindheitserinnerungen so entscheidend geprägt hat, dass ich mich eigentlich nie wieder irgendwo richtig heimisch gefühlt habe – ich bin wieder in Karlsruhes Waldstadt. Und ich werde hier nicht wieder weg gehen, bis man mich mit den Füßen zuerst aus der Wohnung tragen muss!

Es hat sich nicht viel verändert. Und doch ist jetzt alles ganz anders, als ich es erinnere. Die Leute, die ich kannte, die Nachbarn, die Freunde, alle sind fort. Die Alten starben, die Jungen zogen weg und gründeten eigene Familien irgendwo in Deutschland, wohin der Wind und die Arbeit sie verschlugen. Ich wünsche ihnen, dass es ihnen gut erging, dass sie Fuß fassen konnten und sich ein eigenes Leben aufbauen konnten. So wie ich es auch tat. Nach ihnen kamen andere Leute, neue Familien, lebten hier, waren glücklich, manchmal auch nicht, liebten sich, trennten sich vielleicht, bekamen Kinder, zogen sie groß und starben oder wurden ins Altenheim abgeschoben, weil sich niemand mehr um sie kümmern konnte oder wollte!

Tief in meinem Inneren fühlte ich immer jenen Schmerz, der mich ergriffen hat, als meine Eltern 1973 mit uns Kindern fortgezogen sind, weil sie sich endlich ein eigenes kleines Häuschen leisten konnten und nicht länger in unserer 3-Zimmer-Sozialwohnung leben wollten, in der ich mir mit zwei Schwestern ein Kinderzimmer teilen durfte/musste. Dabei ging es uns noch gut. Unsere Nachbarn, fromme Katholiken, und dementsprechend fruchtbar und sich ständig vermehrend, hatten 5 Kinder und die Wohnung war auch nur so groß wie die unsere!

Aber meine Kinder sind nun zum großen Teil aus dem Haus. Eine Tochter wohnt mit der Enkelin in unmittelbarer Nähe und ich habe durch einen glücklichen Zufall, oder soll ich sagen durch eine glückliche Fügung eine schnucklige 3-Zimmer-Wohnung recht nahe bei meinem früheren Zuhause bekommen.

Dort, wo früher in jeder Straße eine Ladenzeile war, gibt es kaum noch Geschäfte. Dafür versuchen hier etliche Läden mit dem Bedürfnis der Alten Geschäfte zu machen, obwohl die finanzielle Decke der meisten hier Lebendenn nicht besonders dick sein dürfte. Hier lebten immer recht einfache Leute. Die es sich leisten konnten, zogen so bald wie möglich wieder weg von hier. Der Rest blieb und wurde alt. Naja, zwei Straßen weiter gibt es noch einen Bäcker und in der Nachbarstraße hat sich ein Discounter breit gemacht, damit sich die Leute mit Schnaps und ein paar Lebensmitteln eindecken können. Eie Pizzeria gibt es hier bei uns und in der andern Richtung zwei Straßen weiter sogar einen Dönerschuppen. Es ist also fast alles da, was man braucht um sich gepflegt mangel- und fehlzuernähren, wie man heute so schon zu sagen pflegt.

Die Autos sind dicker geworden seit damals. Das ist schon auffällig. Selbst im Süden des Stadtviertels, dort wo man früher einen sogenannten sozialen Brennpunkt lokalosierte (und den es aus irgend welchen unerfindlichen Gründen auch heute noch zu geben scheint) stehen relativ teure Autos in den Parklücken vor den Wohnblöcken. Früher, in den Sechzigern waren es vor allem VW Käfer, DKW, Opel und Ford, dazu eine Menge Messerschmitt Kabinenroller, Lloyd, und Heinkel Tourist, sowie Quickly von NSU und einige Hummeln von DKW. Heute stehen hier Mercedes, VW Passat, viele Japaner und ein paar Franzosen, aber alles relativ neu und nur wenige älter als zehn Jahre oder so.

Die Zeiten haben sich wirklich geändert. Es ist ein bisschen weniger Leben vorhanden. Aber das kann an dem ekligen feuchten und ungemütlichen Dezemberwetter mit ständig wechselnden Temperaturen liegen, vermutlich ist´s dem Klimawandel geschuldet und ich mag mich auch nicht wirklich beklagen. Mal sehen, wie sich das Leben hier im Frühjahr und Sommer entwickelt. Auf jeden Fall stelle ich mir den Sommer unter den hohen Laub- und Nadelbäumen, also quasi mitten im Wald, deutlich angenehmer und entspannter vor als die letzten Jahre direkt unter der sengenden Sonne und dem schrägen Dach meiner letzten erbärmlichen Behausung…

Ich werde weiter berichten vom Leben hier in der Waldstadt und von den Dingen, die ich hier noch so aus meinen Kinder- und Jugendzeiten finden und fotografieren kann.

Veröffentlicht unter Architektur, Mobilität, Motorroller, NSU, Opel, Volkswagen, Wirtschaftswunder | Verschlagwortet mit 50er Jahre, 60er Jahre, Architektur, Auto, Bundesrepublik Deutschland, Kabinenroller, Karlsruhe, Motorroller, sozialer Wohnungsbau, VW Käfer, Waldstadt, Wirtschaftswunder, Wirtschaftswunderzeit | Hinterlasse einen Kommentar

Landwirtschaft im Nachkriegsdeutschland und Wirtschaftswunder

Am 5. und 6.9.2015 fand in Liedolsheim bei Karlsruhe, von den Insidern und Einheimischen liebevoll Lielse genannt, das 6. Bulldog-Treffen auf dem Birkenhof nahe der Kartbahn statt. Im Zentrum des Treffens standen die Fahrzeuge der Firma Eicher, von denen ein gutes Dutzend angereist waren.

6. OBulldog-Treffen Liedolsheim 2015; ein Fendt Dieselross aus den Fünfzigern, Foto: A. Ohlmeyer

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; Fendt Dieselross aus den Fünfzigern, Foto: A. Ohlmeyer

Daneben standen auf dem weiten Areal wohl an die hundert Schlepper aller möglichen und unmöglichen Fabrikate, vom Hanomag, über den seltenen Güldner, die schon erwähnten Eicher Schlepper, Porsche, Fendt, Mc Cormick, ein mächtiger Schlüter, seinerzeit wohl einer der stärksten Schlepper, die der Großbauer auf seinen Acker stellen konnte, -zig Unimog aller Baujahre, Holder, International, wer kennt schon all die Namen?

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; Schlüter Allradschlepper Foto: A. Ohlmeyer

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; Schlüter Allradschlepper, einer der stärksten Schlepper, die es seinerzeit zu kaufen gab; 70er Jahre Foto: A. Ohlmeyer

Viele Maschinen waren in einwandfreiem Zustand. Einigen sah man an, dass sie auch heute noch ihren harten Job erledigen müssen und dann war da noch ein Exponat, das wohl ein Scheunenfund war, wie ihn sich jeder Technikfreak erträumt, einmal im Leben. Alt, sicher defekt, die Reifen zerfetzt, aber doch scheinbar noch vollständig. Eine hervorragende Basis zum renovieren, restaurieren und, wenn irgend möglich, die Patina erhalten.

6. Bulldo-Treffen Liedolsheim 2015 Fotos: A. Ohlmeyer

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015 Fotos: A. Ohlmeyer

Lanz baute bekanntlich nicht nur seine legendären Glühkopfbulldog, deren Motorklang zum echten Kult wurde, weil es auch genauso klingt, baute bis in die fünfziger Jahre hinein Traktoren, die den Bauern und auch den Forstwirt bei ihrer harten Arbeit unterstützten. Viele von uns Älteren, die die fünfziger und sechziger Jahre bewusst erlebt haben, werden sich mit feuchten Augen an die Urlaube auf dem Bauernhof erinnern, die wir fast jedes Jahr verbrachten. Während die Eltern und die Schwestern zum Wandern in die Berge verschwanden, oder an den Strand, arbeiteten wir Jungs auf dem Hof des Bauern und lernten Traktor fahren, den Mähdrescher lenken und Schweine füttern. Kühe molk man damals noch mit der Hand und auch das hatten wir schnell heraus.

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; Lanz ebenfalls aus den Fünfzigern Foto: A. Ohlmeyer

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; Lanz, ebenfalls aus den Fünfzigern Fotos: A. Ohlmeyer

Täglich fuhren wir mit dem kleinen Bulldog auf die Wiese und mähten ein paar Quadratmeter frisches Gras, um es an die Kühe zu verfüttern. Oft gab es noch einen Arm voll Maispflanzen dazu. Der Bauer freute sich über den fleissigen Urlaubsknecht, und wir waren stolz darauf, uns dreckig zu machen, so viel wir nur wollten. Abends gab es dann ein tolles, deftiges und vor allem üppiges Essen, damit wir bei Kräften blieben.

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; Lanz ebenfalls aus den Fünfzigern Foto: A. Ohlmeyer

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; Eicher-Schlepper ebenfalls aus den Fünfzigern Foto: A. Ohlmeyer

Tagsüber auf dem Acker oder im Wald kam die Bäurin um die Mittagszeit, manchmal auch ihre damals schon recht dralle Tochter und  brachte eine Jause, die aus selbst gebackenem Brot, mit einer phantastischen knackigen Kruste, selbstgemachter Butter und einem hervorragenden Schinken bestand. Herz, was willst Du mehr? Nichts, wenn Du hart arbeitest!

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; Der große Eicher-Schlepper Fotos: A. Ohlmeyer

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; Der Eicher-Schlepper Fotos: A. Ohlmeyer

So habe ich einige Urlaube mit meinen lieben Eltern in Österreich, genauer gesagt in Kärnten verbracht (und natürlich bin ich auch das ein oder andere Mal zum Baden an den Klopeiner See gegangen, klar) auf dem Bauernhof verbracht. Zwei- oder dreimal waren wir in Südtirol auf einem großen Hof und danach etliche Male auf einem großen Bauernhof in einem winzig kleinen Dorf an der Ostsee. Dort habe ich wirklich alles gelernt, was ich als Bauer wissen musste. Leider erfüllte sich mein Berufswunsch mangels eigenem Land nicht.

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; ein schon etwas betagter Hannomag, dem man sein hartes Arbeitsleben ansieht, mit Mähbalken, fertig für ein hartes Tagwerk auf der Wiese Fotos: A. Ohlmeyer

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; ein schon etwas betagter Hanomag, dem man sein hartes Arbeitsleben ansieht, mit Mähbalken, fertig für sein hartes Tagwerk auf der Wiese Fotos: A. Ohlmeyer

Und so sind meine schönen Urlaubserinnerungen an diese herrlichen Zeiten einstweilen in Vergessenheit geraten, bis ich irgendwann meine Liebe zu alten Traktoren entdeckte. Leider habe ich keinen Platz, um mir einen in den Stall zu stellen. Ich habe leider keinen Stall. Aber bisweilen frage ich mich schon im Stillen, ob nicht vielleicht doch eine Ecke für einen ganz kleinen Holder Agrarier, oder möglicherweise auch einen Gutbrodt freigeschaufelt werden könnte.

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; Porsche Diesel-Schlepper Fotos: A. Ohlmeyer

6. Bulldog-Treffen Liedolsheim 2015; Porsche Diesel-Schlepper Fotos: A. Ohlmeyer

Ein Blick zu meiner Frau und auf ihre aufgeblasenen Backen, wenn sie meine glasigen Augen beim Anblick eines solchen mechanischen Ungetüms aus den fünfziger oder sechziger Jahren reicht allerdings meist aus, um meine Träume brutal zu zerstören. Dann würde sie eher schon ihr okay zu einem alten Opel Olympia geben, oder einem Goggomobil. Da sitz man wenigstens im Trockenen und wird nicht schmutzig von all dem Öl und dem Diesel. Ich habe beschlossen, sie in dem Glauben zu lassen! ;)

weiterführende Links:

  • IG FALL 2000 (Homepage der Interessengemeinschaft Freunde alter Landmaschinen Liedolsheim 2000)
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Machs guad, Maxl!

Wieder ist einer gegangen, der uns fehlen wird. Im gesegneten Alter von 89 Jahren ist am 15.8.2015 der legendäre  Jazz-Musiker und Band-Leader Max Greger gestorben. Seine Big-Band bestimmte in den sechziger und siebziger Jahren den Sound des öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens. Bis kurz vor seinem Tod, hat er noch auf der Bühne gestanden und das gemacht, was ihm das Liebste war – Musik.

Jazz und Swing waren sein Leben. An die dreitausend Musikstücke soll er produziert haben. Nun hat ihn der Krebs dahin gerafft. Von der Erkrankung hatte er nichts gewusst! Wir werden Dich sehr vermissen, Maxl, aber Deine Musik ist unsterblich!

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Kochen mit Clemens Wilmenrod

Nun wollen wir uns, da mit großen Schritten sich kühkere Tage nähern und der Herbst, später der Winter ins Haus steht, mit den Dingen beschäftigen, die uns in solchen Zeiten, wenn der Sturmwind ums Haus tobt, der Regen in endlosen Bächen an den Fensterscheiben herunter rinnt und dann irgendwann auch vielleich ein paar Schneeflocken leise hernieder fallen – mit dem Essen nämlich. Und wer wäre dafür besser geeignet, als unser Clemens Wilmenrod, der in den 50er und 60er Jahren der bekannteste Fernsehkoch in der wirtschaftswundernden Bundesrepublik war?

Er sorgte mit seinen Ideen und Rezepten (die er natürlich zusammen mit seiner hinter den Kulissen den Kochlöffel schwingenden Ehefrau entwickelte) dafür, dass die langsam aber sicher zu Wohlstand kommenden Deutschen einen strammen Wohlstandsbauch entwickeln konnten.

Er war sehr einfallsreich. Hier zum Beispiel erläutere er die Herstellung eines Heringssalates nach bretonischer Art, für die er sage und schreibe eine ganze Woche veranschlagte. Und das nur, damit die treusorgende Ehefrau dem Gatten eine Speise servieren konnte, bevor er am Samstag abend zum Skatspielen ging (was vermutlich bedeutete, dass sie ihm eine Grundlage dafür schaffte, dass er nach zehn, zwölf Flaschen Bier und einigen Kurzen mit den Skatbrüdern, trotz aller daraus folgenden Widrigkeiten, noch den Weg nach Hause fand)! Dieses nette Filmchen stammt aus dem Jahre 1961, es könnte aber auch bereits 1958 entstanden sein, denn darüber gehen die Meinungen etwas auseinander…

…und zum Nachtisch dann kann die beste Ehefrau von allen dem Herrn des Hauses noch ein paar gefüllte Erdbeeren kredenzen. Wer das allerdings nicht weiss, dem kann es passieren, dass er voller Freude seine Zahnprotese in die mit einer Mandel gefüllte Frucht haut und hinterher den ein oder anderen Zahn vermisst, weil er ihn in seiner Gier versehentlich verschluckt hat…

Das Essen im Nachkriegs- und Wirtschaftswunderdeutschland hatte es in sich. Keine Frage. Aber war es ungesünder als der Industriefraß heute? Das möchte ich ein oder zweimal bezweifeln. Warf man der Küche und den Köchen der aufstrebenden Bundesrepublik vor, zuviel Fett, zuviel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse zu verwerten, so ist in den heutigen, industriell vorgefertigten Tütensuppen, Fertiggerichten und Fastfood-„Spezialitäten vor allem was drin? Richtig, zuviel Fett, zuviel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse. Darüber hinaus schmeissen wir uns abends vor dem Fernseher auch noch leckere (fettige und vor allem extrem salzige) Knabbereien ein, nehmen als Zwischenmahlzeit ein-, zweimal täglich einen Schokoriegel (natürlich mit jeder Menge Fett und dem Energiegehalt von mehreren Dutzend Stückchen Würfelzucker) zu uns, um das Elf-Uhr-Loch zu füllen oder meinetwegen auch die viel zu lange Zeit zwischen den Hauptmahlzeiten zu überbrücken und füllen uns dann, weil wir von dem ganzen Mist durstig geworden sind, braun gefärbte Zuckerbrühe in uns hinein, damit wir nicht austrocknen!

Okay, das ist natürlich viel nachhaltiger, gehaltvoller (jedenfalls gehaltvoller an Kalorien) und gesünder als die Ernährung von vor fünfzig, sechzig Jahren – wenn man der Werbung der Lebensmittelkonzerne Glauben schenkt! Allerdings waren die Mengen, die man früher zu sich nahm, deutlich kleiner. Jedenfalls in meiner Erinnerung.

Damals starb man vielleicht an Herzverfettung oder Lungenkrebs, weil man zu allem Überfluss auch noch rauchte wie ein Schlot. Heute gehen wir an Herzinfarkt und Diabetes Typ 1 oder Typ 2 ein, was auch nicht wirklich besser ist! Aber dennoch kann ich mich der weisen Erkenntnis eines Wiglaf Droste nicht ganz verschliessen. Er vertritt die Ansicht, Diät ist Mord am ungegessenen Knödel. Und wer bin ich, dass ich dem widersprechen könnte?

Ich habe lieber Blähungen durch einen deftig gewürzten Kartoffelsalat mit ordentlich Majonaise, als durch eine Kohlsuppendiät. Besonders, wenn die Folgen derselbe derart drastisch und vor allem peinlich sind, wie sie der nette kleine Artikel des Vincent Klink auf zeit.online vom 11.5.2006 schildert.

Wer noch weiter gegen den herrschenden Zeitgeist anmampfen will, darf sich gerne der Rezepte aus dem Wirtschaftswunder bedienen und dann auch stolz seine Plauze vor sich her tragen…

So das sollte es erstmal gewesen sein. Wer Rezepte kennt und sie mir und den Lesern gern zur Verfügung stellen möchte, sollte sich keinen Zwang antun, sondern eifrig neider schreiben, was er früher gerne futterte, wenn Muttern in der Küche gewirbelt hatte…

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Es leben die Flohmärkte!

Neulich war ich mal wieder auf dem Flohmarkt. Gelegentlich plagt mich ja schon hin und wieder diese unbändige Lust, mich mit Dingen zu umgeben, die mich an meine Jugend und Kindheit erinnern.Vorzugsweise schönen Dingen. Allerdings liegt ja die Schönheit gewissermaßen im Auge des Betrachters. Deswegen mag es Leute geben, die eben jene Sachen, die mir so sehr am Herzen liegen, nicht schön finden. Meine Frau zum Beispiel!

Nun weiss ich ja, dass sie von Natur aus eine relativ duldsame Seele ist und aus diesem Grunde habe ich beschlossen, mir ein eigenes Zimmer einzurichten, in dem ich nach Herzenslust computern kann und mir genau die schönen Dinge, die ihre Augen doch eher beleidigen, deponieren und/oder an die Wand hängen kann.

Nun bin ich allerdings noch nicht vollständig eingerichtet. Ein von mir erträumter Küchenschrank aus den Fünfzigern, in pastellfarbenem Resopal beispielsweise, fehlt noch. Der obligatorische Nierentisch, die Cocktailsessel, das Röhrenradio von SABA und das Ganze selbstverständlich paradiesisch aus- und angeleuchtet von den traumhaften Tütenlampen an Wand, Decke und als Stehlampe.

Aber nun habe ich einen Plan. Zwar nur in meinem Kopf, aber ich habe einen Plan. Und damit Ihr teilhaben könnt an meinem kleinen Glück, dürft Ihr ab und zu mal einen Blick in mein Fotoalbum werfen. So wie hier jetzt gerade…

Die ersten 50er Jahre Stücke an der Wand gegenüber meinem Schreibtisch (Foto: A. Ohlmeyer)

Die ersten 50er Jahre Stücke an der Wand gegenüber meinem Schreibtisch (Foto: A. Ohlmeyer)

…ein kleines Tablett mit PVC-Bezug und musikalischen Motiven, dann zwei Wandvasen und eine Frauenbüste aus Keramik. Der Anfang ist also gemacht. Und Schlag auf Schlag soll es weiter gehen. Bilder, Accessoirs, wie schon erwähnt und natürlich das eine oder auch andere Möbelstück.

Keramikbüste einer dunkelhäutigen Dame, die damals wohl dem Zeitgeist enstsprach. Heute sieht man sowas sogar in Natura, vor allem vor den diversen Sonnenstudios, in denen die Teutonen sich schon mal vorbraten, bevor sie zum Saufen nach Malle fliegen... (Foto: A. Ohlmeyer)

Keramikbüste einer dunkelhäutigen Dame, die damals wohl dem Zeitgeist enstsprach. Heute sieht man sowas sogar in Natura, vor allem vor den diversen Sonnenstudios, in denen die Teutonen sich schon mal vorbraten, bevor sie zum Saufen nach Malle fliegen… (Foto: A. Ohlmeyer)

Und damit die Atmosphäre nicht darunter leidet, gebe ich mich auch der Musik hin. Lieder, Schlager, Doo Wop, fast egal von wem, Hauptsache die Ära stimmt.

Und so sieht es nun direkt hinter meinem Schreibtisch aus. Mein Plattenspieler und meine noch recht bescheidene Plattensammlung zumeist an 45er Singles, mit diversen Stars der 50er und 60er Jahre. Direkt mit dem Computer verbunden und all time ready to play! ;) (Foto: A. Ohlmeyer)

Und so sieht es nun direkt hinter meinem Schreibtisch aus. Mein Plattenspieler und meine noch recht bescheidene Plattensammlung zumeist an 45er Singles, mit diversen Stars der 50er und 60er Jahre. Direkt mit dem Computer verbunden und all time ready to play! ;) (Foto: A. Ohlmeyer)

Ach ja, wenn ich mir einen Tisch besorge, an dem ich werkeln kann, sollte es mir sogar möglich sein, mich intensiv mit dem ein oder anderen Teil zu beschäftigen. Zum Beispiel harrt meine kürzlich erworbene Brotschneidemaschine einer gründlichen Reinigung, damit sie dem ihr einst zugedachten Einsatzbereich wieder zugeführt werden kann.

Und dann wäre da vermutlich auch noch ein klein wenig Platz für eine NSU Quickly. Aber dann wird es schon reichlich eng im Zimmer. Wo stelle ich nur meinen alten, originalen Dual 295 Party Plattenspieler hin? der muss hier natürlich auch noch mit rein. Er bekommt selbstverständlich einen Ehrenplatz.

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Tribut an Carl Benz 2015 in Karlsruhe

Ja, der gute alte Carl Benz, war ja nun ein echter Karlsruher und wenn es ihn nicht gegeben hätte, man hätte ihn glatt erfinden müssen. Es war nicht der Marsriegel, der die Menschen mobil machte. Nein, es war Carl Benz, und seine Idee erhöhte den Pulsschlag der Zivilisation um ein, zwei Schläge.

Mal ganz ehrlich, was würde uns fehlen, wenn es das Automobil nicht gäbe? Wäre der Rock´n Roll entstanden, wenn es keine Autos gegeben hätte, sondern nur Kutschen und Eisenbahnen? An was könnten wir uns erfreuen, wenn es nicht die chromschwellenden Fünfziger und Sechziger Jahre gegeben hätte? Was wäre das Wirtschaftswunder gewesen ohnen das Auto? Fragen über Fragen…

BMW´s Isetta mit Reiseköfferchen. Bereit für die große Tour.

BMW´s Isetta mit Reiseköfferchen. Bereit für die große Tour.

Entzückend diese Knutschkugel aus dem Wirtschaftswunder, mit der unsere Eltern und Großeltern durchaus die Alpen überquerten, um in Italien auf irgend einem Campingplatz am Meer ihr Zelt aufzuschlagen und die schönsten Wochen des Jahres zu genießen! Braucht man mehr? Damals nicht…

Und so sieht ein Stilleben mit, nein, in der Isetta aus!

Und so sieht ein Stilleben mit, nein, in der Isetta aus!

…und da Platz bekanntlich in der kleinsten Hütte ist, wer sind wir, dass wir über die Ausstattung dieser kleinen Isetta streiten wollten? Jede/r so, wie´s ihm/ihr frommt! Mit Häkeldeckchen, Plüschbärle und elegant mit Kunststoffumwickeltem Lenkrad- Immer nach Süden, der Sonne entgegen!

Ford Barocktaunus. Wirtschaftswunder aus den Fünfziger, wie man es sich nicht besser erträumen kann!

Ford Barocktaunus. Wirtschaftswunder aus den Fünfzigern, wie man es sich nicht besser erträumen kann! Und dann auch noch im abgefahrenen zweifarbigen Kostüm…

Wer es sich etwas gediegener leisten konnte, der fuhr Ende der fünfziger Jahre im zweifarbig lackierten Barocktaunus durch die Gegend und natürlich in den Urlaub. Autos waren richtig teuer und man zahlte sie meist bar, wenn man lange genug gespart hatte. Wenn das alles nichts nutzte, griff man zum Gebrauchten.

Heute ist alles so viel einfacher geworden. Scheinbar. Autos sind immer noch teuer. Aber sie werden finanziert, oder geleast, deshalb auch gleich ein, zwei Nummern größer (oder deutlich zu groß) „gekauft“. Aber was spielt das schon für eine Rolle? In Zeiten wo einmal mehr die Abschaffung des Bargeldes ernsthaft diskutiert wird, haben sowieso andere die Kontrolle über das eigene Vermögen errungen – Banken, Versicherungen, und nicht zuletzt der Staat. Und neimand fährt mehr mit dem eigenen Auto in die großen Ferien. Man fliegt für 19,- € nach Malle, um sich voll laufen zu lassen und hat bestenfalls noch ein T-Shirt zum Wechseln dabei. Ein Koffer? Was ist denn das? Und wenn dann die Kreditkarte kollabiert, oder die Bank die Kreditlinie streicht, tja dann hat man eben Pech gehabt!

Renault Dauphine, die kleine Französin hatte auch ihren Charme. Und sie sieht heute wie damals noch genauso schnucklig aus!

Renault Dauphine, die kleine Französin hatte auch ihren Charme. Und sie sieht heute wie damals noch genauso schnucklig aus!

Solche Probleme hatte man damals nicht in diesem Ausmaß. Man sparte sich aus der Lohntüte ab, was ging und oft war nur ein Urlaub im Harz drin. Heute hartzen viele Mitmenschen, aber das hat mit Erholung nichts zu tun!

Ovali-Käfer, eines, wenn nicht DAS Symbol des Wirtschaftswunders und, welch unbeschreiblicher Luxus für die damalige Zeit, ein Stoffschiebedach...

Ovali-Käfer, auch eines, wenn nicht DAS Symbol des Wirtschaftswunders und, welch unbeschreiblicher Luxus für die damalige Zeit, mit Stoffschiebedach…

Wer sich einen Käfer leisten konnte, der durfte schon stolz sein auf sich und das, was er erreicht hatte. Solche Pretiosen wie der schnuggelische Ovali hier, der sich durch ein gegen Aufpreis erhältliches Faltdach auszeichnet, bildeten für viele schon den Gipfel des sozialen Aufstiegs. Heute muss man schon froh sein, wenn man von seinem Einkommen die Miete zahlen kann und noch Geld übrig hat, um sich Nahrungsmittel zu kaufen! Lang ist sie her die soziale Marktwirtschaft und bedauerlich ist die Entwicklung hin zur marktkonformen Demokratie merkel´scher Prägung. Haben wir das wirklich so gewollt? Ludwig Erhardt und Willy Brandt würden wahrscheinlich kotzen, wenn sie ihre Marktwirtschaft heute sehen könnten…

Opel Olympia Rekord P1 in schicker Zweifarbenlackierung und mit den angeblich kniescheibenmordenden Panoramascheiben...

Opel Olympia Rekord P1 in schicker Zweifarbenlackierung und mit den angeblich kniescheibenmordenden Panoramascheiben…

Ebenfalls Ende der Fünfziger fuhr man mit solchen amerikanisch angehauchten Opeln in der Gegend herum und ärgerte sich über Staus auf der Autobahn ganz genau so, wie man es heute auch noch tut. Aber damals musste man noch Karten lesen können, um sein Ziel zu erreichen. Heute jagt einen das Navi durch die Gegend, umfährt Staus weiträumig und dutzende Kilometer und sorgt letztlich dafür, dass unser Orientierungssinn vollkommen verkümmert. Wer einmal ein Jahr lang mit Navi unterwegs war, braucht sich anschließend nur mal in eine Telefonzelle zu stellen. Dreht man sich dann drei mal um sich selbst, grenzt es an ein Wunder, wenn man anschließend noch den Ausgang findet!

DKW Limousine mit schellenden Kotflügeln und dreiteiliger Heckscheibe...

DKW Limousine mit schwellenden Kotflügeln und dreiteiliger Heckscheibe und den eleganten Selbstmördertüren…

Konstruktionstechnisch und mit seinem Zweitakter war der DKW ein Vorkriegsfahrzeug, dass aber im Nachkriegsdeutschland und im Wirtschaftswunder durchaus erfolgreich an der Massenmobilisierung beteiligt war. Aber das Konzept war in den sechziger Jahren weitestgehend überholt und nicht mehr konkurrenzfähig…

Opel Olympia Rekord aus den frühen Fünfzigern mit dem legendären Haisfischmaul. Damals und auch noch bis in die sechziger Jahre hinein, baute Opel eben noch Autos!

Opel Olympia Rekord aus den frühen Fünfzigern mit dem legendären Haisfischmaul. Damals und auch noch bis in die sechziger Jahre hinein, baute Opel eben noch Autos!

…ganz im Gegensatz zu diesem feinen Opel Olympia Rekord mit Haifischmaul! Ganz und gar ein US-Straßenkreuzer im Westentaschenformat! Und genau wie diese kam mit jedem neuen Modelljahr ein anderes Design heraus, was aber nur die wenigsten Autofahrer dazu verleiten konnte, sich auch jedes Jahr ein neues Auto zu kaufen, nur um modisch auf der Höhe der Zeit zu sein…

Messerschmitt Kabinenroller mit Einspuranhänger

Messerschmitt Kabinenroller mit Einspuranhänger

Und hier schließt sich für uns nun der Kreis mit diesem wunderbaren Kabinenroller mit Einspuranhänger in Wagenfarbe. Damals wie heute sicher das Nonplusultra des automobilen Individualismus und vermutlich schon ganz gut dazu geeignet, um den halben hausstand mit in den Urlaub nehmen zu können. Die fleissige Hausfrau damals wird´s gefreut haben! Wer träumt nicht davon, seinen Urlaub in der gewohnten Umgebung zu verbringen auch wenn es sich dabei nur um eine komplett eingerichtete Campingküche gahandelt haben mag. Die große Flasche „Frauengold“ fand damals sicher immer ein Plätzchen im Reisegepäck, um die nach Erholung strebende Ehegattin notfalls bei guter Laune zu halten…

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Willy Hagara ist von uns gegangen

Einer der großen alten Stars des deutschsprachigen Schlagers und Films, Willy Hagara ist vor einigen Tagen im alter von 87 Jahren gestorben. Hagara  wurde 1927 in Wien geboren und lebte später in Deutschland. Eine Erbschaft machte ihn Ende 1969 finanzielle unabhängig.

Willy Hagara ist mir besonders durch seinen Auftritt in dem Heinz-Erhardt-Film „Der Haustyrann“ in Erinnerung geblieben, in dem er sich selbst spielte und einen seiner Schlager sang. Daneben besang er unter anderem im Jahr 1955 ein „Häuschen mit Garten“ und brachte damit den Wunsch der Wirtschaftswunderkinder nach der Familienidylle in den eigenen vier Wänden und einem kleinen Gärtchen lebhaft und musikalisch zum Ausdruck. 1958 kam das „Casetta in Canada“ heraus, ein großer Erfolg für ihn. Sehr bekannt wurde auch sein Lied „Mandolinen und Mondschein“ aus dem Jahre 1959.

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